Im Geschirrspülbecken alte Kippen und verrußte Alufolie, auf dem Schlafzimmerboden diese zwei verknäulten Menschen, an den Flurfliesen ausgekotzter Joghurt, hinter dem Wohnzimmerfenster pulsierte die Straße in veilchenblau. Ich wollte die Hochhäuser sehen und sah nur die Mauer. Ich war wie diese Frau in der Männergruppe, die mit dem Hund und der Cola-Dose und es würde nie anders werden. Ich könnte mich niemals ändern, die Mauer wäre immer dabei und das wusste ich. Es gab keine Chance.

Im Bad die halb geleerte Flasche und der stehende Rest. Ich spülte ab und ging selber. Ich hasste den Ekel, weil ich die beiden hasste. Und ich hasste die Mauer, weil ich die Frau hasste. Das letzte Mal, dass ich das gedacht hatte, hatte ich das Fenster eingeworfen.

Ich blieb bis zum Morgen. Ich saß in der Küche mit dem Rücken zur Wand und wusste nicht worauf ich noch wartete. Irgendwann gingen die Kirchenglocken, aber Wut ist alles außer rot und es wäre besser sie nicht zu kennen.

Dann kam Patrick. „Ich hab gewartet“, sagte er, „die ganze Nacht. Adrian kam um eins und konnte sich kaum noch halten. Von einem Pfahl zum anderen, an die ein oder andere Laterne gespuckt, Angst, den Weg nach Hause nicht zu überleben.“

Ich hörte nur zu. Das Tonband war neu.

„Völlig fertig, Rotraut, mit der Welt am Ende.“

Nur die Wortwahl eine andere.

Vom ungefähr 14./15.05.

***

Wenn auch der letzte Stuhl bricht spielen die Anspannung und die Geduld mit der Langeweile fangen. Die, die sie fängt ist die Nervosität und die ist die Geisel des Wissens, dass es nicht werden kann. Es gibt nichts, da kommt nichts mehr. Aber man hat noch ein anderes Wissen, das um den Zustand der Welt und wenn man das nüchtern betrachtet ist dieses Fangenspiel lustig.

Vom 21.05.

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„Du Unglücklicher machst dir noch Hoffnung“, schreibt sie. „Es kann für mich nicht leicht sein, wenn es dir so hart dabei ist und ich bitte dich nochmals: lass es.“ Wenn das so einfach wäre. „Ich tue was ich tue, weil es eben keinen Wert hat, nur um mir selbst zu beweisen, dass es möglich ist, dass ich es ertragen kann, wenn ich müsste, und mit dir, das habe ich dir erklärt, wäre es etwas völlig anderes. Diese Heiligkeit, die wir zwei dabei hätten hielte ich nicht aus, denn dann müsste ich im Moment sein, ganz bei dir und das wollte ich nicht anderes. Du verdienst es, dass man dann bei dir ist, dass es was heißen kann. Und das kann ich nicht, ich ertrage das nicht, den Gedanken und auch nicht den Satz, weil er mich noch nie geschützt hat und ich will nicht so schutzlos sein. Ich kann dich sehen, du würdest sagen ‚Das bist du doch nicht‘, aber ein Schutz ist auch immer eine Bedrohung für mich. Jens, merkst du wie nahe dieses Wort an ‚Schatz‘ steht? Und du bist das, was ich noch habe.“

Ich las dreimal und war nicht einen Schritt weiter.

Vom 23.05.

Ab 13.05. fiel mein Internet aus und ich konnte nicht zeitnah posten.

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