„Ich kann Clarissa schon verstehen“, sage ich trotz all dieser Erschöpfung, in der ich die Kissen unter meinem Kopf nicht spüre. Meine Schwester ist ein Sauger.

„Ich nicht“, meint Ilona. Sie hat den Arm unter ihr Kopfkissen geschoben und ein Bein angewinkelt. Ihr Rücken ist sehr grade. Durch das Licht hinter dem Vorhang wirken ihre Bluse sehr weiß und ihre Muttermale sehr dunkel. „Die macht das nur für deine Mutter.“

„Damit sie ihre Ruhe hat.“

„Das ist aber nicht die Methode.“

Ich weiß ja, dass es stimmt. Aber ich glaube, Clarissa hat keine andere Chance.

Ilona seufzt weil ich schweige. Die Atmosphäre spricht.

Ich sehe sie nicht an, aber ich versuche an ihren Körper zu denken. Sie hat keine Gebärmutter und das gefiel mir damals sofort, ich liebe die Narbe wegen der sie damals überlebt hat. Wir kannten uns da noch nicht. Es ist mindestens ein Menschenleben her.

Ilona weiß, sie hätte für diese Kinder gelebt. Ich weiß, dass sie weiß, dass meine Schwester es nicht tun wird.

Es hat nur niemand gesagt.


Von heute Nacht kurz vor oder nach zwölf. Irgendwie schade, dass es so abgebrochen ist.

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