Auch wenn es nach warmer Milch riecht, Maike weiß, dass es ein Leichenschmaus ist, ein Requiem für all diese Pseudo-Frühlingsgefühle, die noch gewollter gewesen sind in ihrem Leben als all diese Ich mag…s aus der Jugendzeit. Als Kind hatte sie sowieso keiner gefragt.

Das zu wissen, diesen jahrelangen Selbstbeschiss, dieses plötzliche Erkennen war so wie wenn beim Duschen plötzlich von außen der Duschvorhang aufgerissen wurde. Scham, an die sie sich immer noch nicht gewöhnt hat. Am Ärgsten weil sie weiß, das irgendwo unter dem Haufen Scheiße sie selbst ist.

Sie ist nicht der Haufen Scheiße an sich. Auch wenn das leichter zu glauben ist. Bequemer, denn wenn sie damit aufhört, weiß sie, kann sie sich nicht mehr einreden, dass der Oger da auf dem Sofa nicht mehr ihre Mutter ist.

Es war so geborgen gewesen als Kind, wenn Anita ihr als Dank fürs Vertuschen warme Milch gemacht hatte.

Der Satz „Gehst mir als ein Fläschchen einholen?“ war damals eine Belohnung gewesen.


Für die abc.etüden.

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