Ich wusste gar nicht warum ich ihn hasste, denn eigentlich war das ziemlich beeindruckend. Diese Einstellung meine ich, dieses Auch wenn du zehn Finger mit zehnmal einem Fingernagel hast, kannst du keinen Pudding an die Wand nageln., aber irgendjemand hatte mir gesagt, Hände ohne Finger mit Nägeln seien eklig. Wahrscheinlich meine Mutter, die guckte schon als ich ein Kind war immer weg wenn sie Behinderte sah. Dominik hatte mich schon gewarnt, da steckte was hinter, das müsste ich mir irgendwann mal mühsam aus Erzählfetzen von anderen zusammen friemeln. Und Friemelei sei wirklich eklig, wer weiß was man da unter die Nägel bekam. Er sei schon froh, dass er keine hätte. Da war der Hass richtig aufgekocht und ich verstand nicht warum.

Die Wut macht dich blind, hatte er gesagt und auf die Scherben gezeigt.

***

„Ein Fingernagelstudio will sie, die Resi! Des is nix g’scheits, so aa Pudding, wie kamma mit so a Schmarrn denn Geld verdienen?!“

Natürlich gäbe es Weibsbilder, die sich an den Fingern friemeln lassen, das hatte Theresas Großvater auch zugegeben, aber das war doch alles Aufbrezelei und da müssen die Dirnen sich nicht wundern wenn sie wie Damen begafft und begrabbelt werden.

Der Satz gehörte andersherum und war sexististisches Altherrengequatsche, aber der Alte war senil und Theresa hatte lieber die Klappe gehalten, weil sie das Geld brauchte. Gehofft hatte etwas vom Erbe vorab zu bekommen, damit sie eröffnen konnte, eine Sicherheit für die Selbstständigkeit, damit sie aus dem Leistungsbezug rauskam. Die erzählten ihr, Leo müsste Beständigkeit und einen normalen Tagesablauf mit arbeitender Mutter kennen lernen. Aber wie denn ohne Geld?! Der Alte war ihre letzte Hoffnung gewesen. Und ihre größte Enttäuschung. Der Opa, den Theresa in Erinnerung hatte… Vielleicht lag das alles nur an dem Pudding in seinem Gehirn.

 


 

Zweierlei für die Textstaubschen Etüden.

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