Der Ekel vor der Tomatenpflanze kam durch Anne-Sophie, und dass ihre Mutter sie einfach weggeworfen hatte ärgerte Marie nur so nebenbei. Bisher hatte sie ihren Ärger darauf konzentriert, dass ihre Mutter das Geschenk von Viktoria einfach so weggeworfen hatte.

Beim Nachdenken klang das als ob es um Kinder ginge, aber man war schon längst 20. Viktoria hatte die Pflanze selbst geschenkt bekommen und verschenkte jetzt die Triebe. Marie hatte ihren nur aus Höflichkeit angenommen. Sie fand ihn wirklich eklig obwohl er schon Früchte hatte.

Es brauchte Alkohol und das dämliche Gequatsche von Moritz im Hintergrund in der Studentenkneipe um zu merken warum. Denn plötzlich sah Marie, dass das mit Anne-Sophie gar nicht so okay war, wie sie immer gedacht hatte. Sie hatte immer gedacht, das Verhalten ihrer Mutter der gegenüber sei in Ordnung, die müsse das eben aushalten und AS, wie sie in den WhatsApp-Nachrichten zwischen der Mutter und Marie genannt wurde, machte ja auch Arbeit und störte irgendwie. Wegen der konnte man keinen mitbringen. Wenn die da war, war nichts mehr locker und entspannt.

Aber die war doch schon immer da gewesen, so lange Marie lebte. Das war deren Naturzustand und bei Marie und ihrer Mutter war alles künstlich. Nachhilfe, Topfpflanzen… mehr fiel ihr nicht ein. Wahrscheinlich weil bis auf Anne-Sophie alles, was Marie kannte künstlich war.

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