Kam schon mal vor, dass Susanne nostalgisch wurde. Vorm Fenster vom Schreibwarenladen wenn sie Zettelklötze sah. Oder auch bei Discounteraktionen. Bunte Klötze, Tacker, Stift und Adressaufkleber, Labels, wie man es damals nannte, mehr brauchte es oft nicht um vor zwanzig Jahren jemandem eine kleine Freude unter Brieffreunden zu machen. Klar kamen viele von den Dingern weg oder nie an und das wusste auch jeder, aber gerade deshalb war die Freude riesig wenn man im Postkasten einen Brief fand, von einem fremden Absender, der ein liebevoll gemachtes „Friendship Book“ gemacht von einem lieben Briefkontakt zurückschickte. So etwas gab es doch gar nicht mehr. Michelle und Leonie konnten sich nicht mehr vorstellen, dass ihre Mutter endlose verregnete Nachmittage damit verbracht hatte anderen Jugendlichen per Hand zu schreiben. Anja in Bottrop, Nicole in Timmendorfer Strand, Hülya in Frankfurt, Valerie in Halle. Und dass man damals seine Stars nicht über twitter und Facebook anschwärmte, sondern sich in Briefen drüber austauschte.

Von heute aus schien das unerreichbar weit weg. Und unmöglich. Sie wusste ja gar nicht was ihre Teenies mochten. Ihre eigene Mutter war damals ständig reingekommen, sie sollte das Gejaule leiser oder am Besten gleich ausmachen und wieso schnitt sie Artikel von der Lumpensammler-Familie aus, wenn sie die angeblich nicht mochte?! Die tauschte Susanne mit Cindy aus Schwerin gegen seltene Diddl-Blätter, auch das tat man damals. Machte man das heute noch?

Kam schon mal vor, dass Susanne sich so etwas fragte. Dann dachte sie auch ob ihre Mutter sich so was genau so gefragt hatte.

Kam schon mal vor, dass Susanne nostalgisch wurde.

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