Die Königin, also die Frau von Julius König, hieß überall nur genau so: Die Königin und egal wer gefragt wurde sagte „Ich weiß gar nicht wie die mit Vornamen heißt.“

Man wusste so gerade, für ihn war diese Frau schon immer seine Prinzessin, und dass die ihn vor irgendwas gerettet hatte – Backerbsen oder so was, da war was mit Märchen und großen Lügen -, aber nicht so genau was, weil Herr König und seine Frau Königin nicht annähernd aussahen wie man sich Menschen, die getan haben wollen, was die zwei von sich sagten vorstellte.

Oft, wenn Julius ein Weinchen oder den Aperitif ablehnte und sagte warum bekam er ein erstauntes „Was? DU DOCH NICHT!“ zurück. Die Sager meinten es wohl, aber Julius fühlte sich unwohl. Das war wie verlacht werden, nicht ernst genommen, keinen Respekt bekommen für sich als Mensch und vor dem was er mitgemacht hatte. Vor allem dann, wenn er plötzlich im Mittelpunkt stand.

Manchmal sah er dann zu seiner Königin und es dauerte Millisekunden bis sie verstand und man sich zum Aufbruch entschied. Letztens bei Ederers hatte sie sich beim Mantelanziehen noch einmal zum Raum mit der Gesellschaft umgedreht und über die Schulter gerufen: „Nächstes Thema, ihr Schwätzer: Korallenriff!“


Für textstaubs abc.etüden.

Dieses „Was? DU DOCH NICHT!“ kennen viele trockene Alkoholiker. Die meisten, die mir begegnet sind empfinden das so wie Julius König. Gruß an H., P., D., E., R., und T.

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