Janina hatte sich ein Schild gemalt HEUTE RUHETAG und es an ihre Wand gehangen. Sie stellte sich vor, dass die Kinder, ihre Nichten und ihr Neffe, kommen und lachen würden „Tante Jani macht Wellness!“ und hob die Hände um das Schild sofort wieder zu zerreißen. Wellness, Vintage, Shabby Chic… bruh… Das waren für sie Menschen, die nicht ihre Sorgen hatten. Ihre Mutter hatte sich das Haus immer immer mit allem möglichen Kleinkram vollgestellt, damit bloß keiner dächte, da stimmt was nicht und das Leben war so tot wie in einer Puppenstube. Es machte ihr Angst wenn sie die Mädchen mit ihrem Spielzeug sah, mit diesen Mädchensachen aus Lego, wo niemals etwas anderes passierte was ewiges Reiten, Schönheitssalon und Eisdiele. Wenn sie mitspielen sollte bekam sie zitternde Finger und musste sich im Klo einschließen. Nicht dass Jennifer das störte.

Manchmal blieb das so lange bei ihr, dass sie es noch Tage später im Körper hatte. Dann musste sie arbeiten um wieder zu sich zu kommen. Ohne Pause bis sie nur noch auf dem Sofa zusammenbrechen konnte.

Christian hatte ihr gesagt „Du spinnst.“ und du „Machst es kaputt und du merkst es nicht.“

Janina hatte gesagt „Ja, ja, gut“, aber nur halbbewusst, denn in diesem Moment hatte sie klar gesehen. Ihrer Mutter hatte sie nicht helfen können, die Forderungen dazu waren so unausgesprochen wie paradox und doppeldeutig. Sie konnte nicht die sein, die diese Frau aus ihrer Neurose holte Wenn du nur… hin oder her. Deshalb versuchte sie es unbewusst mit Jennifer und den Kindern, damit nie wieder jemand in dieser Familie so werden würde. Damit sich nie wieder jemand schämen müsste so jemanden in der Familie zu haben ohne den Grund für diese Scham zu kennen. Das schien alles so einfach. Auf die Kinder konnte man Einfluss nehmen und Jennifer hatte dafür die Verantwortung.

„Aber du nicht für Jennifer!“ hatte Christian gesagt als sie irgendwann deswegen gestritten hatten.

„Red nicht mit mir als wäre ich deine Mutter!“ hatte Janina gefaucht. Diese unglückliche Kuh, die sich jahrelang von einem Säufer hatte abziehen lassen.

Christian war ruhig geblieben. Wahrscheinlich sagte er innerlich diesen Spruch, den er in seinen Gruppen gelernt hatte. „Janina, komm zu dir“, hatte er noch gesagt. Dann hatte er sich umgedreht und war gegangen.

Janina war stehen geblieben und hatte sich gedacht, früher hätte sie jetzt die Haustür draußen gehört.

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