Ich merke an, dass ich mich nur eigentlich an die letzten fünf Jahre erinnern kann, kommt Eva sich vor wie beim kafkaesken Torhüter, den sie zu Hause als Poster hat. Und auch das ist nicht richtig, denn in wirklicher Wahrheit sind es nur drei oder vier oder zwei, aber nicht weniger, weil sie damals zwar dasselbe getan hat, auch mit genau den gleichen Unsicherheiten und Fehlern, aber eine andere gewesen ist, an die sie sich kaum noch erinnern kann. Sie weiß nicht mehr warum sie damals das eine oder jenes getan hat, was sie bewogen hat genau das zu tun oder weshalb es für sie so zur Wahrheit werden konnte. Das immerhin weiß Eva eigentlich doch, auch wenn sie nur fühlt, aber nicht versteht, denn Eva ist ein Kind der wirklichen Wahrheit und wirklich ist nie das, was für andere wahr ist und eine richtige, echte, einzige Wahrheit, eine auf die man vertrauen kann gibt es nicht. Die Eva-Wahrheit heißt zum Beispiel „Die Kekse sind alle.“ und sie ist bestimmt und absolut unumstößlich und zur gleichen Zeit, die sich in Gang setzt, wenn Eva sich umdreht, was heißt, dass sie mächtig ist, heißt die Sebastian-Wahrheit „Unten im Schrank ist eine Tüte Plätzchen.“ So was vererbt sich, auch die Machtverhältnisse. Lilly kann alleine durch die Position ihrer Füße zwar nicht die eigene, aber die Lea-Wahrheit beeinflussen, dagegen kann Eva gar nichts tun. Lilly auch nicht, nicht einmal verstehen, dass das eben so ist und dass es nicht lohnt darüber zu reden, weil das überhaupt gar keiner verstehen kann. Dass es ungerecht ist, geht noch, aber nicht warum Lilly die Macht hat und nicht Lea. Und das mit den Füßen versteht auch Eva nicht, weil es dann einfach passiert wie wenn man ein Spielzeug aufzieht. Eva hat einmal gesagt „Lass das sein!“, aber nicht Lilly sondern Lea hatte sich anders hingestellt, die war vom Hocker auf den Boden geklettert.

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