Der Baukran, der den Sommer über hier gestanden hatte war schneller verschwunden als das Haus, das vorher hier gestanden hatte. Innerhalb von ein paar Stunden war er weg, Viola hatte es gar nicht bemerkt, weil sie mit dem Rücken zum Fenster gesessen hatte. Das Haus hatte länger gedauert, vielleicht eine Woche oder zwei. Jetzt stand dort ein gekippter Quader mit Fenstern vom Boden bis zur Decke, der im nächsten Jahr fertig und teuer vermietet werden würde. Viola mochte große Fenster, aber sie fragte sich welchen Gewinn es für die Leute hatte, dass jeder den ganzen Tag hindurch hinein sehen konnte. Menschen mit solchen Fenstern hatten in diesem Viertel keine Gardinen, die wollten Glashäuser. Auch sonst schlossen in letzter Zeit Menschen eher die Rolladen als sich Vorhänge zu nehmen. Was war das für eine Form von Abgrenzung, machte man sich dadurch nicht eher verwundbar und ließ es drauf ankommen? Wenn es so weit war, hatte es niemand kommen sehen und man schrie nach Schützen. Hatte so was nicht anderswo einen Namen? In den großen Städten hieß das doch Gentrifizierung, oder?!

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