„Meine Familie ist nicht normal und meine Familie weiß nicht was normal ist. Keiner bei uns weiß das.“

Daniel hat ein altes Buch und wenn er in diesem Buch liest wird das Gefühl immer stärker, weil in jeder Geschichte ein Stück seiner Familie steckt. Irgendwas erkennt er immer wieder. Das Buch heißt Familientanz und er denkt sofort Affentanz. Das haben seine Eltern früher immer gesagt. Mach nicht so einen Affentanz!, wenn er zwischen den Mahlzeiten Hunger oder Durst hatte. Mach nicht so einen Affentanz!, wenn er krank war und Schmerzen hatte. Später war alles nur eine Phase weil er zu viel fernsah. Genauso wie Dennis nur war wie er war weil er keine Lehrstelle bekommen hatte.

Damals hat Daniel entschieden, dass Familie nicht seine Sache ist. Er versteht auch jetzt nicht warum alle heiraten wollen, nur weil es geht. Wenn man einen Wisch braucht um sich sicher zu sein, dass man geliebt wird und selbst liebt, dann ist es keine wirkliche Liebe. Dann ist es wie mit der Geburtsurkunde. Beschiss für alle Male.

Das Buch hat Daniel gebraucht gekauft. Es ist beinahe so alt wie er und vergilbt. Eigentlich müsste es ihn ekeln. Er kann keine Bücher aus der Bücherei ausleihen, wer weiß schon, wer da dran gefasst hat. Aber dieses Buch hat er gekauft, in einem muffigen, engen Laden. Der Verkäufer kann ihn nicht verstanden haben. Aber wie sollte das auch gehen?!

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