Die Nacht ist ein Schaf, denn dämlich blökend rennt sie dem Tag hinterher. Wie sonst könnte es Menschen geben, die davon reden die Nacht zum Tag zu machen oder, auch so einige, den Tag zur Nacht?

Wie das Schaf ernährt sich die Nacht von Gräsern. Jenem im Kopf und jenen auf der Wiese und wie das Schaf mag die Nacht hinterher Milch geben und selber der Käse ist eine Delikatesse.

Wie aber wird es zu erklären sein, dass die Nacht an jedem Zeitpunkt für sich selbst ist, das Schaf jedoch in Regel in der Herde?

Ist dann nicht eher so der Fall, das jedes Schaf einmal die Nacht ist? So soll man sie doch zum Schlafen zählen. Vielleicht als Glückbringen, dass man am Morgen aufwacht.

Was weiß man über Carola?

Wissenswertes.

Carola ist das Kind von Stefanie und das Enkelkind von Karin, Carola ist altersmäßig kein Kind mehr, aber auch noch kein erwachsener Mensch und Carola hat Angst vor alten Tankstellen. Unerklärlich.

Was weiß Carola nicht?

Wissenswertes über Carola.

Carola weiß nicht, dass sie nicht die Enkelin von Karin und deren Mann sein kann, weil der nicht mehr lebt. Arbeitsunfall als Stefanie ein Kind war, viel jünger als Carola, aber durch das Ereignis schon ein erwachsener Mensch. Carola kann sich als das Enkelkind von Ralf empfinden, aber sie ist es nicht, sie war nicht auf Ausflug am Meer.

Was weder Stefanie und Karin noch Carola über Carola wissen, was aber wissenswert wäre, ist, dass Carola als kleines Kind einmal das Foto gesehen hat auf dem Ralf in Arbeitskleidung die kindliche Stefanie zum Anschauen in das Führerhaus des Tankwagens hebt.

 


Für die Kooperation zwischen Christiane und Ludwig Zeidler (vormals lz/textstaub).

 

Also wenn, ja, wenn mich wirklich etwas an Janine aufregt, dann sind es die Rechtschreibfehler!

Das sind schon keine Versehen mehr, dieser Mensch macht das mit absoluter Sicherheit und Absicht.

Sich dumm stellen, Meer statt mehr schreiben und so was, dauernd, und dann losheulen wenn man ihr sagt, sie ist mit ihren 45 Jahren kein Kind mehr. Angeblich hätte sie das nicht gelernt, aber ich frage mich was dann, sie war doch auf einer Schule. Auf einer Sonderschule zwar, aber mir kann keiner erzählen, dass die da nichts lernen.

Ja, gut, es stimmt, also irgendwie, so richtig schreiben und lesen kann von denen keiner. Das ist schon komisch, weil also, wenn Janine was hört dann versteht sie fast alles, auch Politik und so, aber eben nicht in der Zeitung.

Und das verstehe ich nicht.

Oder stimmt es vielleicht doch, dass es da keinen Unterricht gab und man die Jungen und Mädchen nur malen lassen hat, denn sie kämen so am sichersten in die Werkstatt und eine hohe Einweisungsquote brächte der Schule Geld?

Das wurde letztens im Radio gesagt.

 


Noch mehr für die Kooperation zwischen Christiane und Ludwig Zeidler (vormals lz/textstaub). Und auch für Kathleen, Miriam und Daniela – alles Arten von Janines. Normal intelligent, aber dumm gemacht.

„Aber, sagt, wie kann es denn sein, dass euer Planet am Tag so hell ist?“ fragte die Reisende aus der anderen Galaxie den Menschen, dem er auf der Straße in der Nähe seines Landeplatzes begegnet war.

Sie war wissbegierig, aber keine Bildungsreisende, eher verwirrt wegen der Unterschiede.

„Du stellst Fragen…“ antwortete der Mensch. „Wie ein Kind, ich habe dir doch schon alles erklärt. Nun muss ich aber los.“

„‘Los‘? Was bedeutet das?“

„Dass ich mich beeilen muss. Ich muss nach Meerbusch fahren, ich habe keine Zeit.“

„Euer Planet ist erstaunlich! Wie kann denn etwas zugleich das Meer, was Wasser ist und ein Busch, was Pflanze ist darstellen?“

Für solche Wunder hatte der Mensch kein Ohr.


Klingt nach Stadtpoem in den Fädenrissen ist aber Tintenklecks für die Kooperation zwischen Christiane und Ludwig Zeidler (vormals lz/textstaub).

In der Galaxie der Reisenden sind „er“ und „seines“ weiblich. Bei einem männlichen Reisenden hieße es „sie“ und „ihres“. Andere Galaxien, andere Grammatiken.

Ich ging durch die Straße mit dem Sonnemondbild auf dem Verteiler. Es hieß, irgendwo hier hockten die Junkies und die Gebüsche seien voller Spritzen, aber es war mir egal. Ich sah mich nicht um und ich hatte kein Ziel

Wenn fraglich dasselbe wie fragbar ist, dann ist er nicht fraglich, dieser Schmerz jemanden auf diese Art gehen zu lassen.

Auf keine Art, auch wenn man es nicht verhindern kann.

Martina ist in dieses Auto gestiegen, schon derartig dicht, dass sie selbsterdachte Worte wie Paradeiser lallte und keiner mehr verstand was sie sagen wollte. Dieser Zustand ist gefährlich und der Schmerz beginnt dort wo jemand in der Situation jede Sorge nur noch als Kinkerlitzchen abtut. Auf einer so kurzen Stecke könnte auch mit Alkohol im Blut nichts passieren und sie wolle doch nur dieses Fotzenarschloch von Schlawiner zur Raison bringen, weil der Idiot immer Weiber im Gästeklo knallt.

Dieser Wahn pocht wie eine rohe Wunde an jedem, der dabei ist.

Trotzdem muss man daneben stehen, im Wissen um all das, was passieren kann und zulassen, dass dieser Mensch wegfährt um nicht Schuld zu haben wenn die Sache eskaliert.Und dann muss man innerlich sterben weil man keine Ahnung hat wie man diese Show den Kindern erklärt.

Wenn fraglich dasselbe wie fragbar ist, dann ist er nicht fraglich, dieser Schmerz jemanden auf diese Art gehen zu lassen.


Für die Kooperation zwischen Christiane und Ludwig Zeidler (vormals lz/textstaub).

 

Und wieder dieser zerkratzte Warzenhof bei Jutta. Sie tut es ab, sagt, es sind Kinkerlitzchen, aber ich weiß ganz genau was sie nicht sagt und worüber sie nicht reden will. Sie hat ihre Ausreden dafür, dann lenkt sie ab und erzählt von dem Hund, und den gestohlenen Paradeisern und weil ich das Wort nicht kenne überlege ich erstmal eine halbe Stunde und dann ist die Situation und alles was daraus hätte werden können vorbei.

„Paradeiser ist ein Wort wie Schlagobers“, sagt sie beim Essen und das ist alles was sie mir zu solchen Worten sagt, „du hast sogar welche auf dem Teller.“

„Das ist Tomatensalat.“

„Ein Brauner ist bei uns auch kein Schnaps.“

Dann sieht sie unter den Tisch und sagt: „Amadeus, aus!“

„Du Schlawiner“, sage ich, denn der Hund zerrt an den Kappen meiner Schuhe, „Lass das sein!“

Auf dem Tisch verschmilzt die Atmosphäre in die Surrealität. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, dass und warum wir uns eigentlich getroffen haben und ich frage mich auch nicht mehr nach den Begegnungen, die man ausgerechnet da hat wo man das andere wie das eigene kennt.


Eine in mehrere Richtungen interpretierbare Situation für die Kooperation zwischen Christiane und Ludwig Zeidler (vormals lz/textstaub).

An einem mittelmäßigen Ort der Laune saß ich und fragte mich nach so dämlich anmutenden Worten wie Zirkumflex. Wie hätte ich wissen sollen, dass das alles keinen Taug hatte, denn alles war besser als gar nichts zu denken. Sonst hätte ich noch den mittelmäßigen Ort der Laune bemerkt oder die Laune oder die Mittelmäßigkeit. Um die wäre es gewiss schlimmer gewesen.

„Ich kann Clarissa schon verstehen“, sage ich trotz all dieser Erschöpfung, in der ich die Kissen unter meinem Kopf nicht spüre. Meine Schwester ist ein Sauger.

„Ich nicht“, meint Ilona. Sie hat den Arm unter ihr Kopfkissen geschoben und ein Bein angewinkelt. Ihr Rücken ist sehr grade. Durch das Licht hinter dem Vorhang wirken ihre Bluse sehr weiß und ihre Muttermale sehr dunkel. „Die macht das nur für deine Mutter.“

„Damit sie ihre Ruhe hat.“

„Das ist aber nicht die Methode.“

Ich weiß ja, dass es stimmt. Aber ich glaube, Clarissa hat keine andere Chance.

Ilona seufzt weil ich schweige. Die Atmosphäre spricht.

Ich sehe sie nicht an, aber ich versuche an ihren Körper zu denken. Sie hat keine Gebärmutter und das gefiel mir damals sofort, ich liebe die Narbe wegen der sie damals überlebt hat. Wir kannten uns da noch nicht. Es ist mindestens ein Menschenleben her.

Ilona weiß, sie hätte für diese Kinder gelebt. Ich weiß, dass sie weiß, dass meine Schwester es nicht tun wird.

Es hat nur niemand gesagt.


Von heute Nacht kurz vor oder nach zwölf. Irgendwie schade, dass es so abgebrochen ist.

„Du kannst mir doch nicht erzählen, dass sieben Tage lang bei euch die gleiche Platte spielt und die sich extra dafür einen Plattenspieler zugelegt hat.“

„Doch!“

„Und die hat einhundertdreißig Euro für die Platte geboten… Sind da Safranstaubkussspuren drauf?“

„Von Gene Pitney persönlich geerntet wahrscheinlich, mich nervt das Ding einfach nur an, jedenfalls ist das ihr Irisreinkarnationslied.“

„Marc Almond hat auch mal eine Version davon aufgenommen…“

„Ja, die hört sie aber nicht!“

„Und Iris ist ihre…“

„Jugendliebe. Es gab also in Marias Leben noch etwas anderes als Rumge… und Knospenkollisionskurs.“

„Dann können wir den Witz mit der Sandra-Platte wohl einpacken…“

„J-Argh, schon wieder…ICH KANN ES NICHT MEHR HÖREN!“


Ein Telefongespräch für die Kooperation zwischen Christiane und Textstaub (ludwighzeidler).

Something’s Gotten Hold Of My Heart kennen Sie?! Kann als Hinweis auf das Alter von Maria, die hier als Mutter gemeint sein könnte, verstanden werden.